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Der Waschbär (lat.: Procyon lotor), auch explizit als Nordamerikanischer Waschbär oder in Costa Rica mapache genannt, ist der am weitesten verbreitete Vertreter der Kleinbären und war ursprünglich nur in Mittelamerika und Nordamerika beheimatet. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts ist er auch auf dem europäischen Festland und dem Kaukasus heimisch, nachdem er dort aus Pelztierfarmen und Gehegen entkommen ist oder ausgesetzt wurde.

Typisch für den Waschbären ist seine maskenartige Gesichtszeichnung und sein ausgeprägtes haptisches Wahrnehmungsvermögen. Waschbären, die mit anderen Artgenossen oft in lockeren Kleingruppen zusammenleben, zeichnen sich außerdem durch ihr gutes Gedächtnis aus. Gewässerreiche Mischwälder und Laubwälder stellen den bevorzugten Lebensraum der anpassungsfähigen Säugetierart dar, die zunehmend auch in urbanen Gebieten anzutreffen ist.

Merkmale

Körperbau

Der Waschbär ist bei einer Schulterhöhe von etwas mehr als 25 Zentimetern zwischen 45 und 65 Zentimetern lang, wozu noch der buschige, schwarz-braun geringelte Schwanz mit einer Länge von ca. 25 Zentimetern kommt. Das Körpergewicht erwachsener Tiere liegt zwischen vier und acht Kilogramm. Männliche Exemplare sind in der Regel 15 bis 20 Prozent schwerer als Weibchen. Wegen des Winterspecks können Waschbären zu Winteranfang bis zu 50 Prozent mehr wiegen als im Frühling. Extremwerte über 20 Kilogramm sind bekannt, bei in freier Natur lebenden Tieren aber äußerst selten.

Charakteristisch für die Tierart ist die im höheren Alter ausbleichende schwarze Gesichtsmaske, die sich deutlich von der umgebenden weißen Gesichtsfärbung abhebt. Die leicht abgerundeten Ohren werden ebenfalls von weißem Fell umrandet. Die markante Gesichtszeichnung, die der des Marderhundes ähnelt, dient vornehmlich dem Erkennen von Körperhaltung und Mimik des jeweils gegenüberstehenden Artgenossen. Am restlichen Körper hat das Fell eine braune bis graue Färbung. Waschbären mit fast schwarzem Fell sind vor allem im europäischen Raum anzutreffen, was auf die frühere Beliebtheit derartig gezeichneter Tiere als Pelzlieferanten zurückzuführen ist.

Sinneswahrnehmung

Waschbären sind farbenblind. Obwohl sie aufgrund des als Restlichtverstärker wirkenden Tapetum lucidum hinter ihrer Netzhaut auch im Dämmerlicht gut sehen können und ihr Sehschärfenbereich von elf Dioptrien fast genau dem des Menschen entspricht, ist die visuelle Wahrnehmung für sie nur von untergeordneter Bedeutung. Außer der Orientierung im Dunkeln dient ihr Geruchssinn vor allem der Kommunikation mit anderen Waschbären. Mit ihrem Gehör sind sie in der Lage, sehr leise Geräusche wahrzunehmen, wie sie zum Beispiel im Boden eingegrabene Regenwürmer verursachen. Was hohe Töne angeht, liegt ihre Hörgrenze bei 50 bis 85 Kilohertz.

Tastsinn und „Waschen“ der Nahrung

Trotz der gut entwickelten Gesichtssinne ist zweifellos der Tastsinn als der für Waschbären zentrale Sinn anzusehen. Waschbären tasten die Nahrung oder andere Gegenstände mit ihren Vorderpfoten sorgfältig von allen Seiten ab, um sich ein genaues Bild von dem gefundenen Gegenstand zu machen. Da dies häufig im seichten Gewässer geschieht, wo sie im Uferbereich nach Kleinlebewesen suchen, wurde früher irrtümlich vermutet, dass der Waschbär seine Nahrung „wäscht“.

Verbreitungsgebiet

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Waschbären erstreckt sich von Panamá über Mexiko und fast die gesamte USA bis zum Süden Kanadas. Hiervon ausgenommen sind nur Wüstengebiete und das Hochgebirge der Rocky Mountains.

 

Lebenserwartung

Während in Gefangenschaft gehaltene Waschbären bis zu 20 Jahre alt werden können, werden sie in freier Natur lebend nur selten älter als zwölf Jahre. Es ist nicht ungewöhnlich, dass nur etwa die Hälfte der in einem Jahr geborenen Jungen das erste Lebensjahr überlebt, so dass ihre durchschnittliche Lebenserwartung nur bei 1,3 bis 3,1 Jahren liegt. Neben Krankheiten zählen Unfälle und der Tod ihrer Mutter zu den häufigsten Todesursachen junger Waschbären.

Lebensweise

Ernährung
Waschbären sind Allesfresser, deren Speiseplan sich je nach Nahrungsangebot zu ungefähr gleichen Teilen aus pflanzlicher Nahrung (Obst, Getreide, Nüsse und Beeren), Wirbellosen (Insekten und Würmer) und kleinen Wirbeltieren (Fische, Kleinsäuger, Amphibien sowie Vogeleier) zusammensetzt. Während sie im Frühjahr überwiegend tierische Nahrung zu sich nehmen, bevorzugen sie im Herbst kalorienhaltige pflanzliche Kost wie Fallobst. Für verstädterte Waschbären stellen Küchenabfälle eine weitere wichtige Nahrungsquelle dar. Waschbären entwickeln bei großer Nahrungsauswahl starke individuelle Vorlieben für bestimmte Nahrungsmittel. Im Winter finden sie demgegenüber nur noch vereinzelt Nahrung und müssen bei anhaltendem Frost sogar fasten.
Schlafplätze

Waschbären sind dämmerungs- und nachtaktive Tiere, was der Hauptgrund dafür ist, dass man sie nur selten zu Gesicht bekommt. Sie sind geschickte Kletterer und schlafen tagsüber mit Vorliebe in den Baumhöhlen alter Eichen. Wenn sich ein Waschbär außerhalb der Reichweite einer seiner bevorzugten Hauptschlafstätten befindet, bezieht er sein Taglager alternativ auch in alten Steinbrüchen, im dichten Gestrüpp oder in Dachsbauten. In den nördlichen Bereichen seines Verbreitungsgebiets hält der Waschbär eine Winterruhe, während der er seine Aktivitäten stark reduziert.

Sozialverhalten

Untersuchungen aus Deutschland und den USA, die Ende der 1990er Jahre angestellt wurden, zeigen, dass Waschbären normalerweise keine Einzelgänger sind, wie früher häufig behauptet wurde. Stattdessen handelt es sich um eine Tierart mit einem komplexen und variablen Sozialverhalten. Miteinander verwandte Weibchen teilen sich häufig ein Streifgebiet und treffen sich dabei gelegentlich an ergiebigen Futterstellen oder Hauptschlafstätten. Nicht miteinander verwandte männliche Waschbären leben häufig in sogenannten Rüdenkoalitionen zusammen, um sich so gegenüber anderen Artgenossen besser behaupten zu können. In der Regel übersteigt die Größe einer solchen Gruppe zwei bis vier Individuen aber nicht.

Bei ausreichendem Nahrungsangebot können sich die Aktionsräume von Waschbären stark überschneiden, ohne dass es zu Auseinandersetzungen kommt. Ernsthafte durch Kämpfe mit anderen Waschbären hervorgerufene Verletzungen sind sehr selten. Männliche Exemplare zeigen jedoch gelegentlich aggressives Verhalten gegenüber nicht mit ihnen verwandten Jungtieren. Zum Informationsaustausch, zum Beispiel über ergiebige Futterquellen, treffen sich Waschbären mit anderen Artgenossen an Schlaf- und Sammelplätzen oder hinterlassen dort Nachrichten in Form entsprechender Duftmarken. Waschbären treffen sich aber nicht nur zum Informationsaustausch sondern auch zum gemeinsamen Fressen, Schlafen und Spielen.

Fortpflanzung

Damit die Aufzucht der Welpen nicht mit dem Beginn des nächsten Winters zusammenfällt, paaren sich Waschbären zumeist im Februar. Wenn ein Weibchen nicht trächtig wird oder seine Jungen frühzeitig verliert, wird es im Mai oder Juni manchmal erneut empfängnisbereit. Zur Paarungszeit ziehen die Männchen in ihren Streifgebieten rastlos umher und umwerben die an einigen Sammelplätzen zusammenkommenden Weibchen, deren drei- bis viertägige Empfängnisperioden zeitlich zusammenfallen. Die anschließende Paarung erstreckt sich über mehrere Nächte hinweg, während denen sich intensives Vorspiel, der eigentliche Akt und eine anschließende Ruhepause abwechseln. Die meisten Weibchen lassen sich dabei nur von einem Männchen begatten.

Um eine hohe, zum Beispiel durch Bejagung ausgelöste, Sterblichkeitsrate auszugleichen, steigt der Anteil der trächtig werdenden Weibchen stark an. Während die Gesamtpopulation dadurch annähernd stabil bleibt, sinkt der Altersdurchschnitt rapide. Insofern erweist es sich fast immer als wirkungslos, Waschbären durch vermehrte Jagd aus einem Gebiet, das für sie einen günstigen Lebensraum darstellt, dauerhaft vertreiben zu wollen. Selbst wenn dies ausnahmsweise gelingen sollte, würden aber schon bald darauf andere Waschbären in die derart frei werdenden Territorien nachfolgen.

Entwicklung der Jungen

Nach etwa 65 Tagen Tragzeit bringt das nach der Paarung wieder allein lebende Weibchen im Frühling im Schnitt 2,5 bis 3,5 Junge zur Welt. Die Welpen sind bei der Geburt blind und mit einem gelblichem Flaum bedeckt. Das Geburtsgewicht der zehn Zentimeter großen Welpen beträgt 65 bis 75 Gramm. Während des ersten Lebensmonats nehmen die Welpen keine feste Nahrung zu sich, sondern werden ausschließlich von ihrer Mutter gesäugt. Nach zwei bis drei Wochen öffnen sie erstmals die Augen. Im Alter von sechs bis neun Wochen verlassen die zu diesem Zeitpunkt ungefähr ein Kilogramm wiegenden Jungen erstmals die Wurfhöhle, werden jedoch auch danach noch ein bis zwei Monate lang mit nachlassender Intensität gesäugt. Im Herbst erfolgt die allmähliche Trennung von der Mutter.

Lebensweise im menschlichen Siedlungsraum

Der Waschbär ist ein Kulturfolger, dem es gelungen ist, in städtische Gebiete vorzudringen und diese als Lebensraum zu nutzen. Er bevorzugt dabei waldnahe Stadtrandgebiete mit einem hohen Grünflächenanteil. Im menschlichen Siedlungsraum weist der Waschbär bemerkenswerte Verhaltensanpassungen auf. Während die Streifgebiete in amerikanischen Waldgebieten etwa 50 bis 600 Hektar groß sind, umfassen sie in Städten oft nur ein bis zehn Hektar. Weiterhin ist die Populationsdichte in der Stadt deutlich höher.

Im Stadtgebiet stellen Gärten und der Hausmüll für den Waschbären ein reichhaltiges Nahrungsreservoir dar. Hinzu kommt das große zusätzliche Angebot an Schlaf- und Wurfplätzen. An erster Stelle sind hier Gartenhäuschen, Garagen und verlassene Gebäude zu nennen, aber auch Dachböden und Kaminschächte werden gerne als Schlaf- oder Wurfplatz genutzt. Erklettert werden die Gebäude dabei über das Fallrohr der Regenrinne oder angrenzende Bäume.

Zusammenfassung

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Waschbären Generalisten sind, die nur geringe Ansprüche an die Art ihrer Nahrung stellen und sich schnell an geänderte Umstände anpassen können. Dies erklärt ihren nachhaltigen Erfolg bei der Besiedlung neuer Lebensräume.

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